Das Thema Hooligans ist seit den gewaltsamen Protesten der Hooligans gegen Salafismus (HOGESA) und den Ausschreitung bei der letzten Europameisterschaft in Frankreich wieder verstärkt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gelangt. Robert Claus sein Buch, welches am vergangenen Samstag im Ori Neukölln vorgestellt wurde, rückt des Thema professionalisierte Gewalt und Rechtsextremismus als Problemfelder der Szene ins Zentrum der Betrachtung. Am Beispiel der westdeutschen Hooligan-Gruppe Presswerk Rüsselsheim 1983, die sich größtenteils aus Arbeitern des Rüsselsheimer Opel-Werkes rekrutierte, wurde die politische Vielfältigkeit dieses subkulturellen Milieus illustriert. Der von Claus interviewte Thomas Oetker, ein Gründungsmitglied des „Presswerk“ ist mittlerweile Yoga-Lehrer. Der Autor ordnet ihn tendenziell eher als Linken ein.

Hooligans

Dennoch stellte Claus klar heraus, dass nach seiner Meinung dem Rechtsextremismus in der Hooligan-Szene ein guter Nährboden geboten wird. Mit Verweis auf das Modelabel White Rex und dessen Gründer Denis Nikitin, wurden die Verflechtungen zwischen Hooligans, Rechtsextremisten und dem professionellen Kampfsport in Deutschland offen gelegt. Der Trend einer zunehmenden Professionalisierung durch die Integration von Hooligans, aber teilweise auch von Islamisten in die MMA-Szene, wurde von Claus als problematisch bewertet, da sich hier Schnittmengen zu politischen Kampfszenarien ergeben könnten. Andererseits leiste ein Verbot von Hooligangruppierungen in Deutschland, illegalen Zusammenschlüssen von Hooligans Vorschub, so Claus, weswegen man auch hierzulande über eine Legalisierung von Gruppenkämpfen nachdenken könnte. Er selbst betrachtete den Punkt ambivalent und stellte ihn zur Diskussionen.

Der Vortrag hatte Zuhörer verschiedenster Milieus angezogen, was sich in der anschließenden Diskussionen verdeutlichte. Claus hat wichtige Denkanstöße für die Auseinandersetzung mit dem Thema Hooliganismus in Deutschland geliefert.

70 Personen nahmen an der Lesung teil, eine Spendensammlung für NSU-Watch brachte 100 Euro ein. ORi und Gesellschaftsspiele traten als gemeinsame Veranstalter auf.