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Info-Abend: Lohndiebstahl bei adidas-Zulieferer in Kambodscha


Wann:
 Di 21.05.2024, 19–21 Uhr
Wo: Haus der Demokratie und Menschenrechte / Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Während der Covid-Pandemie waren in Kambodscha Hunderttausende Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie von Entlassungen, Aussperrungen, Kurzarbeit oder Lohnraub betroffen. Allein in den acht Zulieferbetrieben von adidas sind es 30.000. Sie fordern ausstehende Löhne und Abfindungen in Höhe von 11,7 Millionen US-Dollar ein – bis heute vergebens. Adidas erklärt, das Unternehmen sei dafür nicht zuständig.

Sithyneth Ry, Präsident der Gewerkschaft Independent Trade Union Federation, vertritt die Interessen der Arbeiter:innenvon Hulu Garment, einem Betrieb in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, wo auch Adidas produzieren ließ. Auch dort warten 500 Beschäftigte weiterhin auf die Zahlung von Abfindungen von über 1 Million US-Dollar. 

Zusammen mit Artemisa Ljarja von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) informiert er über die Situation der Arbeiter:innen in der Bekleidungsindustrie in Kambodscha, über ihre Forderungen und gewerkschaftliche Aktivitäten.

Ein Kooperationsveranstaltung der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), Gesellschaftsspiele e.V. und Fairness United

Gedenkstättenfahrt nach Dachau

Vom 23.-27. September 2024 veranstaltet Gesellschaftsspiele e.V. erstmals eine Gedenkstättenfahrt. Zum Thema „Fußball im Konzentrationslager“ werden 15 junge Erwachsene eine Fahrt in die Gedenkstätte Dachau unternehmen. Dabei werden ausdrücklich Fußballfans unterschiedlicher Vereine als Teilnehmende angesprochen.  Unterkunft wird das Jugendgästehaus Dachau sein.

Die Fahrt findet in enger Abstimmung mit dem Max-Mannheimer Studienzentrum statt, welches auch den größten Teil der Workshops zur historisch-politischen Bildungsarbeit auf dem Gelände der Gedenkstätte verantworten wird. Die Teilnehmenden sollen Zugang zu den historischen Themen und Ereignissen des NS bekommen und über persönlichen Biographien aus dem Bereich Fußball verschiedene Menschen kennen lernen, die in  Konzentrationslager inhaftiert waren. Welche Rolle spielte Sport und speziell Fußball im Haftalltag und Leben der Insassen?

Ein Aufenthalt im NS Dokumentationszentrum München ergänzt das Programm und  wird die Sicht der Stadtbevölkerung und den Umgang der Münchener mit den Häftlingen des Lagers und seiner Zahlreichen Außenlager beantworten.

Neben den Workshop lernen die Teilnehmenden die App Actionbound kennen und werden sie mit den Ergebnissen ihre Gruppenarbeiten ergänzen.

Eine Anmeldung ist für Personen von 18 – 26 Jahren bis zum 15. August direkt unter mia.rossberg@gesellschaftsspiele.berlin möglich. 

Alle Teilnehmenden müssen über eine private Haftpflichtversicherung verfügen. Die Fahrt ist für die Teilnehmenden kostenlos.

Buchpräsentation „Streifzüge durch den­ ­wilden Fußball-Osten“ (11. April, 19.30 Uhr)

Bohemians Prag, Roter Stern Belgrad, Lok Leipzig, FC Priština … Clubs, die im Westen längst vergessen sind oder kaum beachtet ­werden. Frank Willmann schätzt sie alle.

Auf seinen Streifzügen trinkt er tschechisches Bier, wird zum ­Wurstologen, flieht vor Erfurt-Fans in Berlin, friert in Novi Sad und besticht in Bosnien-Herzegowina Polizisten mit seinen ­Fanartikeln. Immer angetrieben wird er dabei von seiner ­Liebe zum Fußball und dessen Verehrerinnen und ­Verehrern von der Ostsee bis zum schwarzen Meer. Denn: »Der abgehängte Fußball im Osten ist das letzte sakrale Schauspiel unserer Zeit.«

Moderation: Rico Noack

Die Veranstaltung findet im Haus der Fußballkulturen (U Eberswalder) um 19.30 Uhr statt.

Die DFL-Proteste gehen weiter! Neue Petition gegen den DFL-Investoreneinstieg.

Gemeinsam können wir den Deal stoppen. Unterschreibt die Petition von Finanzwende.

Die Proteste gegen den DFL-Investoreneinstieg sind aktuell an jedem Spieltag präsent in den Stadien und extrem erfolgreich. Der erste mögliche Investor „Blackstone“ hat sich bereits zurückgezogen und immer mehr Vereine der 1. und 2. Bundesliga fordern aufgrund des Drucks der Fans eine Neuabstimmung innerhalb der DFL. Denn es spricht sehr viel dafür, dass Martin Kind die Weisung seines Vereins Hannover 96 bei der letzten Abstimmung missachtet hat und nur deshalb die Mehrheit für den Deal zusammengekommen ist.

Der Protest der aktiven Fans wird dabei von einem großen Teil der Fußballfans in Deutschland unterstützt, das zeigt eine neue repräsentative Umfrage.

Unsere Freund*innen von Finanzwende e.V. haben darüber hinaus heute eine neue Petitition gegen den Deal mit dem letzten verbleibenden Investor CVC gestartet. Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele von euch diese Petition unterstützen und wir dadurch gemeinsam den Druck auf das DFL-Präsidium weiter erhöhen.

Hier geht es zur Petition: https://www.finanzwende.de/kampagnen/cvc-deal-stoppen

Interview mit der Jungle World zu den aktuellen DFL-Investoren Protesten.

Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in den Stadien der Ersten und Zweiten
Bundesliga im Bezug auf die Proteste gegen die Investorenbeteiligung an den
Medienrechten der DFL?


„Die Proteste sind Ausdruck einer lebendigen und kritischen Fankultur in Deutschland. Schon im vergangenen Jahr wurde bundesweit protestiert und konkrete Kritik am geplanten Investoren-Deal artikuliert. Die gescheiterte Abstimmung im Mai 2023 war ein beeindruckender Erfolg der Fanszenen. Die kurzfristige anberaumte und erneut geheim durch geführte Abstimmung für einen
Investoren-Deal 2.0 zeigt das mangelnde Transparenz- und Demokratieverständnis des DFL- Präsidiums. Die Zuspitzung der Proteste und die Spielunterbrechungen sind eine direkte Konsequenz dieses fragwürdigen Verhaltens.“

Wird es voraussichtlich Spielabbrüche geben?

„Der sogenannte Drei-Stufen-Plan des DFB ist allen Beteiligten spätestens seit den Fast- Spielabbrüchen in der Causa Hopp hinlänglich bekannt. Leider ist dieser Plan nie zur Anwendung gekommen, wenn Spieler rassistisch beleidigt wurden oder es homophobe Banner im Stadion zu sehen gab. Im Zuge der aktuellen Proteste wird der Drei-Stufen-Plan nun interessanterweise wieder berücksichtigt. An einem Spielabbruch haben aber auch die Fans kein Interesse und wissen dank des Drei-Stufen-Plans, wie weit sie die Spielunterbrechungen ausreizen können. „

Was fordern Sie von der DFL in der derzeitigen Situation?

„Wir schließen uns der Forderung der aktiven Fanszenen an, Investoren keinen Zugriff auf die DFL zu geben. Wenn es neues Geld braucht – und schon daran kann man berechtigte Zweifel äußern –, dann ist nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Keine Investoren! Diese
Diskussion muss wieder aufgenommen werden, offen und unter Einhaltung und Achtung der 50+1-Regel erfolgen. Nur so kann eine demokratische und transparente Entscheidung in dieser Angelegenheit erreicht werden.“

Welche langfristigen Auswirkungen hätte ihrer Meinung nach die Investorenbeteiligung an den Medienrechten auf eine durch Fans getragene einmalige Stadionkultur?

„Das System Fußball versucht, auf Pump seine kaputten Kreisläufe am Leben zu halten. Neues Geld soll alte Probleme zuschütten. Das Geld kommt von windigen Investoren, die ihren Einfluss geltend machen wollen und vor allem Rendite erzielen müssen. Letztlich droht eine weitere Kapitalisierung des Sports mit noch mehr Event, Marketingreisen, hohen Ticketpreisen und Spieltags-Zerstückelung. Die leblose Fankultur der Premier League ist für uns Abschreckung und kein
Vorbild.“

Eindrücke vom Fußball- und Sport Block bei der Hand-in-Hand Demo gegen Rechts.

Am Treffpunkt des Fußball- und Sport-Block haben sich schon früh viele Leute eingefunden. Am Ende waren es sicherlich 150 – 200 Teilnehmer*innen in unserem Block.

Auch die Tagesthemen, die Deutsche Welle und Hauptstadt.TV haben uns vor Ort besucht und interviewt:

https://www.ardmediathek.de/video/tagesthemen/tagesthemen-23-30-uhr-03-02-2024/das-erste/Y3JpZDovL3RhZ2Vzc2NoYXUuZGUvZTRkNDFjOTUtNmFiNi00NGJjLWI2ODYtZWZmN2MwZWIwY2E3LVNFTkRVTkdTVklERU8

https://www.dw.com/de/berliner-fu%C3%9Fballfans-vereint-gegen-rechtsextremismus/a-68168769

https://www.hauptstadt.tv/mediathek/video/buendnis-aus-fussball-und-sportvereinen-macht-jeden-raum-fuer-faschismus-zu/

Auch im französischen Fußball-Magazin „So Foot“ haben wir ein Interview zu Rechtsextremismus und Fußball gegeben:

https://www.sofoot.com/articles/bundesliga-david-hoffmann-le-football-allemand-doit-sengager-contre-lafd

Aufruf: Fußball- und Sport-Block bei der „Hand-In-Hand“ Demo am 3. Februar um 11:30

#WirSindDieBrandmauer

Liebe Fußballfans, liebe Sportbegeisterte!

Am Samstag, dem 3. Februar findet die große Demonstration „Hand-in-Hand –#WirSindDieBrandmauer“ vor dem Bundestag statt. Zur Verteidigung unserer Demokratie gegen Rechts ruft ein breites Bündnis von mittlerweile über 1160 zivilgesellschaftlichen Organisationen auf. Darunter sind auch zahlreiche Sportvereine, Fanorganisationen und NGOs aus den Bereichen Fußball und Sport. Den Aufruf findet ihr angefügt an diese E-Mail. Fußball und Sport sind laut, bunt und divers. Viele Fans und Vereine engagieren sich seit Jahren gegen Rechts und für unsere Demokratie. Andere beginnen vielleicht genau jetzt mit diesem Engagement. Wir wollen gemeinsam mit euch ein kraftvolles Zeichen setzen und
einen Fußball- und Sport-Block auf der „Hand-in-Hand“-Demo bilden. Dafür werden wir uns als Demo-Zubringer versammeln und gemeinsam zur großen Kundgebung vor dem Bundestag ziehen. Kommt zahlreich und bunt, ausgestattet mit Bannern, Fahnen, T-Shirts und Blockfahnen.

Wann? Samstag, 3.2., 11:30 Uhr
Wo? Im Spreebogenpark (gegenüber vom Hauptbahnhof)


Bitte teilt diesen Aufruf in euren Vereinen, Netzwerken und Fanszenen. Kommt nicht allein, sondern sprecht eure Freund*innen, Mitspieler*innen und Bekannten an. Wir verteidigen unseren Sport und unsere Demokratie:

Hand in Hand – jetzt solidarisch aktiv werden!

Wir rufen dazu auf, der rechten Normalisierung in Deutschland und Europa nicht länger zuzuschauen.

Krisen, Kriege, Katastrophen –  die Welt um uns herum gerät immer mehr ins Wanken. Vieles, worauf wir uns verlassen haben, ist unsicher. In einer sich schnell bewegenden Welt sehen wir, wie sich das politische Klima in Europa bedrohlich verändert. Ängste vor Veränderungen, Verlust und Armut werden absichtlich geschürt, Menschen werden gegeneinander ausgespielt. Die Gräben in der Gesellschaft vertiefen sich.

In Deutschland entwickelt sich die politische Landschaft alarmierend: Rechte und rechtsextreme Ansichten bekommen öffentlichen Rückhalt. Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nehmen zu. Menschen werden etwa aufgrund von Armut, Arbeitslosigkeit oder Obdachlosigkeit herabgesetzt und sozial ausgegrenzt. Gleichzeitig werden zwingende Aufgaben wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zu lästigen Zumutungen abgewertet. Respektlosigkeit, Anfeindungen  und das Leugnen von Fakten dominieren Teile der gesellschaftlichen Stimmung. Die Abgrenzung gegenüber Verächtern der Demokratie wie der AfD schwindet. Für Menschenrechte einzustehen, wird in Frage gestellt. Geflüchtete werden massiv entrechtet, sie und Menschen, die sie unterstützen, werden zunehmend kriminalisiert. Unser gesellschaftliches Zusammenleben, die Vielfalt und Fairness:
Ja, unsere Demokratie ist in Gefahr.

Doch wir sind entschlossen, laut und aktiv zu werden: für eine offene, demokratische, plurale und solidarische Gesellschaft, gemeinsam gegen den Rechtsruck in Deutschland und Europa! Schweigen ist keine Option! Wir  müssen sichtbar und hörbar werden. Die Zeit zu handeln ist jetzt, denn bei den Kommunal-, Landtags- und Europawahlen in 2024 geht es um viel!

Jetzt sind wir ALLE gefragt:

Für Solidarität und Respekt, gegen Hass und Hetze
Für Gerechtigkeit und Toleranz, gegen Spaltung
Für eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt, für Menschenwürde, gegen Ausgrenzung

Für Selbstbestimmung und Humanität, Menschenrechte für Alle,  gegen  Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Wir rufen dazu auf, der rechten Normalisierung in Deutschland und Europa nicht länger zuzuschauen.

Bisher haben schon über 581 Organisationen den Aufruf unterzeichnet (Stand 23.01.24)

Unter folgendem Link könnt ihr als Organisationen den Aufruf ebenfalls unterzeichnen:

Spazieren gehen, Karten spielen, die Erinnerung an Julius Hirsch wach halten! Ein Projektrückblick.

Die folgende Zeilen sollen die Projektaktivitäten rund um die Julius-Hirsch-Preisverleihung darstellen. Das Gesamtprojekt „Karten auf’n Tisch“ fand in Kooperation mit dem Fanprojekt der Sportjugend Berlin statt und wurde unterstützt mit Mitteln aus dem Bundesprogramm gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit im Sport.

Julius-Hirsch-Preis 2024

Wie alles startete: Im Jahr 2021 durften wir uns über den 2. Platz beim Julius-Hirsch-Preis freuen. Drei Jahre später klingelte unser Telefon und wir wurden gefragt, ob wir als ehemaliger Preisträger den aktuellen Preisträger*innen von ASA-FF, Athletic Sonnenberg, SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiss und Makkabi Deutschland „unser“ Berlin zeigen wollen. Wollten wir! Eine Art Mini-Stadtführung sollte es werden. Berlin ist aber groß und das Zeitfenster am Morgen der Preisverleihung war begrenzt. Es kristallisierte sich schnell die Idee heraus, dass wir gern mit/um unseren langjährigen Partner -und selbst ehemaligen Preisträger- dem Fanprojekt der Sportjugend Berlin, herum, ein kleines Programm organisieren wollten.

Beginnen sollte der Rundgang mit dem Historiker Holger Siemann. Dieser gehörte zum aktiven Teil des Mosse-Projektes. Er stellte vergangene und aktuelle Aktivitäten aus dem gemeinsamen zwischen Anwohner*innen, Fanprojekt der Sportjugend Berlin und Gesellschaftsspiele e.V. initierten Mosse-Projekt vor. Im Jahn-Sport-Park wurde auf die historische und soziale Bedeutung des Cantianstadions für den Prenzlauer Berg und die Stadt Berlin im Allgemeinen eingegangen. Im Anschluss daran führte uns ein kurzer Spaziergang direkt in die Räumlichkeiten des Fanprojekts der Sportjugend. In kompakten Einführungen stellten Vertreter*innen von Lernort Stadion, Fanprojekt und Gesellschaftsspiele e.V. Arbeit und aktuelle Projekte vor. Bei und vor allem nach gutem Essen wurde gekickert, gelacht und genetzwerkt. Die gute Stimmung spielte sich dennoch vor einem ernsten Hintergrund ab. Der grausame Hamas-Überfall war (ist) noch sehr präsent und wirkte doppelt nach. Das medial transportierte Grauen entfalte im Kontext des Projektes auch deshalb eine besondere Wirkmächtigkeit, wenn an die Verfolgung und Ermordung des preisnamensstiftenden Nationalspieler Hirschs gedacht und erinnert wird.

Am Abend nahmen wir an der sehr gelungenen und würdevollen Julius-Hirsch-Preisverleihung zusammen mit 400 geladenen Gästen teil. Ein schöner und bewegender 13. November endete bei Gesprächen mit Preisträger*innen und anwesenden Kolleg*innen.

Preisverleihung 20 24– was bleibt (physisch)?

Diese Frage stellten wir uns natürlich und es war der Wunsch aller involvierter Akteur*innen und Einzelpersonen, etwas Bleibendes, etwas Greifbares zu hinterlassen. Drei Produktesollen als Erinnerung an den Tag, aber auch als Motivation beziehungsweise Inspirations für neue Aktivitäten gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus genutzt werden.

Ergebnis dieser Überlegungen: Ein Online-Quiz, ein kleiner Film und ein Kartenspiel. Das Onlinequiz beschäftigt sich prioritär mit Wirken und Geschichte des Fanprojekts und soll zukünftig bei Aktivitäten im Rahmen vom Lernzentrum @ Hertha BSC, welches an das Fanprojekt der Sportjugend angegliedert ist, genutzt werden. Der siebenminütige Videoclip umreißt die Aktivitäten rund um die Julius-Hirsch-Preisverleihung und hält wichtige Höhepunkte des Tages fest. Kernstück der „Überbleibsel“ stellt sicherlich das Kartenspiel dar. Der DFB-Kultustiftung-Vorsitzende bezeichnete Berlin vor Jahren als Hauptstadt der „Fußball und Soziales-Szene“. Recht hat(te) er mit dieser Aussage. Grob geschätzte 60 NGOs, Zusammenschlüsse und progressiv-politisch ausgerichteten Vereine gibt es in der Stadt und sie alle verbinden auf ihre Art, die Liebe zum Fußball mit Bildungsinhalten. Viele erledigen diese Art mit unterschiedlichen Ansätzen und Zielgruppen – alle mit Leidenschaft und Engagement für die Sache. Diese sollten, so die Idee hinter dem Kartenspiel, einmal kompakt vorgestellt werden. Eine publizistische Veröffentlichung oder ein Online-Beitrag hätte es am Ende auch werden können, nur kann damit schlecht gespielt werden. Einziges Manko eines Kartenspieles: es können nur 32 Blätter mit Inhalten erstellt werden. Wir mussten demnach eine Auswahl treffen und entschieden uns für Akteur*innen, mit denen wir bereits zusammengearbeitet haben. Oder jene, die mit besonderen Projekten und Aktivitäten in Erinnerung geblieben sind. In jedem Fall stellt das Kartenspiel kein Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich der Akteursabbildung dar.

In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Künstlerin Anne Wenkel entstand ein Kartenspiel, welches ab Frühjahr 2024 auch an Freund*innen der Netzwerkpartner verteilt werden soll. Aufgrund von Corona-Erkrankungen in der Druckerei des Vertrauens wird erst mit einer Auslieferung Anfang Februar gerechnet.

Wer war Julius Hirsch?

Julius Hirsch wurde 1892 als siebtes Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Bereits mit zehn Jahren trat er dem Karlsruher FV bei, der damals einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands war. Schon mit 18 Jahren wurde Julius, genannt „Juller“ Hirsch Mitglied der 1. Mannschaft und gewann 1910 mit dem KFV die Deutsche Meisterschaft. Zu dieser Zeit absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung. Der Fußball jedoch war seine große Leidenschaft. Er spielte auf der Stürmerposition linksaußen und bildete zusammen mit seinen Mitspielern Fritz Förderer und Gottfried Fuchs ein damals landesweit bekanntes Innentrio. Schnell wurden die gebückte Angriffsweise und der harte Schuss zu Hirschs Markenzeichen.

Mit gerade einmal 19 Jahren wurde er 1911 wegen seiner herausragenden Leistungen zum ersten Mal in die deutsche Nationalmannschaft berufen und nahm 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm teil. Nach seinem Militärdienst wechselte Julius Hirsch 1914 zur Spielvereinigung Fürth, mit der er im gleichen Jahr erneut die Deutsche Meisterschaft gewann.

Er diente im Ersten Weltkrieg als Soldat und erhielt 1916 das Eiserne Kreuz II. Klasse sowie die Bayerische Dienstauszeichnung. Im Unterschied zu seinem Bruder Leopold, der 1916 gefallen war, überlebte er den Krieg. 1919 kehrte „Juller“ Hirsch nach Karlsruhe zurück. Er arbeitete in der Firma seines Vaters, in der er mit seinem Bruder Max Hirsch 1926 Gesellschafter wurde.

1923 hatte er seine Laufbahn als aktiver Fußballer beendet, blieb seinem KFV aber weiter als Jugendtrainer verbunden. Er konnte auf eine erfolgreiche Karriere als Fußballspieler zurückblicken. In sieben Länderspielen hatte er vier Tore erzielt, neben den zwei Meistertiteln noch vier Mal die Süddeutsche Meisterschaft errungen.

Am 10. April 1933 muss für Julius Hirsch eine Welt zusammen gebrochen sein. Er las in der Zeitung, dass die süddeutschen Spitzenvereine beschlossen hatten, jüdische Mitglieder auszuschließen. Darunter war auch sein Verein, der Karlsruher FV. Am gleichen Tag schrieb er an seinen Verein: „… Ich gehöre dem KFV seit dem Jahre 1902 an und habe demselben meine schwache Kraft zur Verfügung gestellt. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV meinen Austritt anzeigen. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass es in dem heute so gehassten Prügelkinde der deutschen Nation auch anständige Menschen und vielleicht noch viel mehr national denkende und auch durch die Tat bewiesene und durch Herzblut vergossene deutsche Juden gibt…“.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers begann für Julius Hirsch – wie für Millionen anderer Opfer der verbrecherischen Nationalsozialisten – ein schrecklicher Leidensweg, auf dem er gedemütigt, entrechtet, verfolgt und ermordet wurde. 1943 wurde Julius Hirsch in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und kehrte nicht mehr zurück. Das Leben des Julius Hirsch steht beispielhaft für die Ausgrenzung zahlreicher jüdischer Sportler aus der deutschen Gesellschaft.

Quelle: DFB-Kulturstiftung

Ohne Unterstüzung keine „Karten auf’m Tisch“

Das Projekt wäre ohne die maßgebliche Unterstützung vieler Einzelpersonen und Akteur*innen nicht realisierbar gewesen. Besonderer Dank geht hierbei an Eberhard Schulz und der Initiative „Nie Wieder / Erinnerungstag im Fußball“. Weiterhin möchten wir uns bei den Familienmitgliedern der Familie Hirsch für ihr Kommen bedanken. Die Preisträger aus Frankfurt und Chemnitz waren in jedem Fall gern gesehene Gäste – sie motivieren und inspirieren uns für die weitere Arbeit.

Das Projekt „Karten auf’n Tisch“ ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen den Fanprojekt der Sportjugend und Gesellschaftsspiele e.V.

Gefördert vom Bundesministerium des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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