Warum Gesellschaftsspiele?

Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik. So postulierte es die Rechtsrock- und Hooliganband Kategorie C und so sehen es auch viele Fans noch immer. Betrachtet man das Phänomen Fußball allerdings einmal genauer, wird schnell klar, dass das so nicht stimmen kann. Fußball, Politik und Gesellschaft sind derart miteinander verwoben, dass sie sich schlicht nicht getrennt betrachten lassen.

Fußball durchzieht als Massensport viele Bereiche des Lebens. Milliarden verfolgen Weltmeisterschaften, Millionen gehen jedes Wochenende ins Stadion oder sitzen vor den Fernsehschirmen. Das Fußballschauen wird ermöglicht mit öffentlichen Geldern, für Infrastruktur, Fernsehübertragung, für Sicherheit und vieles mehr. Politiker wie Großkonzerne nutzen den Fußball gerne, um ihre Beliebtheitswerte zu verbessern.

Gleichzeitig bieten Sportvereine nicht nur die Gelegenheit zum Sporttreiben. Sie ermöglichen demokratische Teilhabe, denn Vereinsmitglieder wählen ihren Vereinsvorstand und segnen den Vereinskurs ab. Fußballstadien bieten soziale Räume, in denen sich die unterschiedlichsten Menschen treffen, miteinander feiern und leider können. Räume in denen immer wieder Neues entsteht, denn Fußball ist auch die vielleicht größte Jugendkultur, mit den Ultras, mit wechselseitigen Einflüssen aus Kunst- und Musiksubkulturen.

Der Fußball ist gleichzeitig aber auch Bühne für gesellschaftliche Missstände und Tendenzen. Diskriminierung, Rassismus, Homophobie treten in Stadien immer wieder offen zum Vorschein. Und natürlich auch blanke Gewalt.

Fußball macht soziale und politische Entwicklungen sichtbar, er stößt öffentliche Diskussionen an, bei denen nicht nur Fußballer und Sportfunktionäre sondern auch Politiker, Journalisten, Wissenschaftler und Sozialarbeiter zu Wort kommen. Wenn es um Fußball geht, will jeder mitsprechen. Wir haben es also im wahrsten Sinne des Wortes mit „Gesellschaftsspielen“ zu tun.

EM-Spiel in der Ukraine

Uganda vs. Sambia

Wer schaut zu? Wer darf mitspielen?

Gesellschaftsspiele e.V.?

Die Ursprungsidee des Vereines geht auf das stipendiatisch organisierte Projekt der Hans-Böckler-Stiftung, FUSSBALL MACHT NATION, aus dem Jahr 2009 zurück. Das Projekt untersuchte die Wechselwirkungen von Nationalismus, Fankultur und Fanverhalten in Ex-Jugoslawien. In der Folge blieb ein Teil des Forschungsprojektes miteinander in Kontakt, ein institutioneller Überbau fehlte aber.

Das sollte sich am 23. Januar 2015 ändern. Im Eetcafe Linda Carell gründete sich der Verein „Gesellschaftsspiele“. Noch im gleichen Jahr wurde die Gemeinnützigkeit erlangt und der Eintrag ins Vereinsregister erreicht. Die 14 Gründungsmitglieder sind nicht lange unter sich geblieben. Im Dezember 2015 hatte der Verein bereits mehr als 80 Mitglieder. Das Verhältnis Frauen zu Männern ist fast ausgeglichen, das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 30. 70% der Vereinsmitglieder kommen aus Berlin und Brandenburg, die restliche 30% verteilen sich – von Saarbrücken bis Moskau, von Lagos bis Freiburg.

Lazy Sunday

Wo ein Ball ist, wird für gewöhnlich auch gespielt.

Fans aller Clubs sind im Verein zu Haus. Außerdem gibt es auch Mitglieder, die sich wenig bis überhaupt nicht für Fußball interessieren. Wie passt das zusammen? Wunderbar finden wir. Wer sich für gesellschaftspolitische Prozesse interessiert, muss nicht sich zwangsläufig schon seit Jahren mit Fußball und Fankultur beschäftigen. Vielmehr wollen wir in unserem Verein immer wieder über Tellerrand und Stadiondach hinausschauen.

Wie geht es weiter mit dem Verein?

Das entscheiden die Mitglieder. Die Themen, die uns mehrheitlich interessieren, werden angegangen. Wichtig ist uns, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit sich auch bei unserer Themenbehandlung, wieder finden lässt. Wir bevorzugen es, eine bereits behandelte Thematik noch einmal aufzugreifen, um Prozesse und Weiterentwicklungen verfolgen zu können. Ein gutes Beispiel für diese Verfahrensweise ist der Themenkomplex der „türkischen Fußballfans“ (im Kontext von Staat, Repression und Gezi-Protesten). Nach einer spannenden Auftaktveranstaltung, u.a. mit MdB Özcan Mutlu, veranstalteten wir einen Workshop in Istanbul und publizierten letztlich auch zum Thema. Aktuell wird ein erneuter Workshop mit integrativer Jugendbegegnung in der Türkei konzipiert.

Gerichtsgebäude Istanbul

Jugendbegegnung und Prozessbegleitung in Istanbul

Ebenso wie die Themenpalette, sind die Möglichkeiten der Darstellung/Bearbeitung eines Themas für uns nicht limitiert. Abendveranstaltungen, Seminare, Jugendbegegnungen, Partys … Wir leisten politische Bildungsarbeit. Mitunter auch mit unkonventionellen Ideen. Dafür brauchen wir aber Unterstützung.

Wie kann der Verein unterstützt werden?

Wer Interesse am Verein hat oder einfach nur das Gefühl, dass es sich bei Gesellschaftsspiele um ein unterstützenswertes Projekt handelt, dem können folgende Optionen angeboten werden:

Apropos Mitgliedschaft: Wer sich nicht aktiv am Vereinsleben beteiligen kann oder möchte, sich vielleicht auch nur peripher für Fankultur interessiert, ist dennoch gut bei uns aufgehoben.

Die Verbindung zum Fußball und seinen Fankulturen ist im Verein höchst unterschiedlich Maße ausgeprägt. Der regelmäßige Stadiongänger findet sich ebenso unter uns, wie die quartalsmäßige Spielerin vom Bolzplatz. Weiterhin sind unsere technischen Fertigkeiten „auf’n Platz“ genauso unterschiedlich verteilt, wie politische Sozialisationen oder etwaige Vereinsliebeleien. Wir sind im besten Verständnis des Wortes ein mixed Team und sehen in dieser Aufstellung auch unseren Vorteil. Dynamisch, neugierig und den schönen Dingen des Lebens zugewandt – so sehen wir uns.

 

Fast Food

Ohne Mampf kein Kampf! Oder: Wer gutes Essen mag, wird Gesellschaftsspiele lieben.

Das Team freut sich über Neueinwechslungen, lässt aber auch nicht jeden mitspielen. Rassismus und Intoleranz zeigen wir die rote Karte. Auch neben dem Platz. Respect the Game, respect the Player! Every Player!

 

Gesellschaftsspiele – tackling hard for fair play!

Auszug aus der Vereinssatzung:

“Zweck des Vereins ist es, das solidarische, inklusive und schöne Leben für alle zu fördern. Dem Fußball und seiner vielfältigen Fankulturen als weltweit verbindendes Element zwischen den Menschen wird von Seiten des Vereins dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist Gesellschaftsspiele e.V. ein besonderes Anliegen, jegliche Formen von Rassismus, Antisemitismus und Homophobie zu bekämpfen. Eine partizipative und offene Gesellschaft ist Grundbestandteil vom schönen Leben nach dem Verständnis des Vereins.

Das Faszinosum der Fußballfankultur hilft soziale und politische Vorgänge verstehen und bewerten zu können, spiegeln sich doch auf den großen und kleinen Tribünen dieser Welt, die Abbilder gesellschaftspolitischer Realitäten wider. Gesellschaftsspiele e. V. macht sich dies zu Nutze, um sowohl den eigenen Blick über den Tellerrand zu schärfen, wie auch durch Informationsvermittlung, Vorurteilen und Formen von Diskriminierungen entgegenzuwirken.

Es ist auch Aufgabe des Vereins, unter Fußballfans das Wissen über andere Fankulturen zu verbreiten und diese anzuleiten, selbiges zu tun. Der Verein sieht sich dabei in der Rolle einer Institution, die vernetzt, moderiert, lehrt aber nicht belehrt.”